Claudia Grothus, Praxis für klassische Tierhomöopathie und Hundeverhaltenstherapie
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Ganzheitlichkeit

In dem Bedürfnis Leiden zu lindern und Krankheiten zu heilen hat die Menschheit unermüdlich versucht, mehr darüber zu lernen, wie der lebende Organismus funktioniert und wie dieses Funktionieren positiv beeinflusst werden kann. Wo in der frühen Zeit der Menschheit der Schamane für seinen Clan zuständig war und sowohl Streitigkeiten und Ängste, als auch körperliche Leiden linderte, wo im Mittelalter noch Paracelsus bei seinen Behandlungen die Sternenbilder in Betracht zog, wurde die Medizin in der modernen Zeit mehr und mehr die Domäne einer Gruppe von hochgebildeten Personen, die sich darauf verlegte, die Materie mit größtem technischen Aufwand zu analysieren. Ein jedes Ding, das die Natur hervorbringt wird in seine allerkleinsten Teile zerlegt.

 

Je mehr von den einzelnen Teilen auch in Körpern von Menschen und Tieren bekannt wurde, desto genauer konnten Krankheiten auf Organe, Gefäße, Flüssigkeiten und deren Funktionen lokalisiert werden. Das Erfassen des kranken Patienten mit all seinen Nöten und Eigenheiten ging mehr und mehr verloren und fokussierte zunehmend auf das kranke Organ. Da die vielen Einzelteile des lebenden Organismus bald nicht mehr in allen erforschten Details von einzelnen Personen beherrscht werden konnten, begann ein rasch wachsendes Spezialistentum in der Ärzteschaft. Kleinste Teile von Organismen wurden zum Gegenstand ganzer Berufsgruppen. Auch die Seele des Patienten wurde vom Körper getrennt und zur Domäne des Psychiaters.

 

Wir haben in unserer heutigen Welt den Zusammenhang aller Dinge verloren und große Schwierigkeiten, Körperliches und Seelisches und die Umwelt von Körper und Seele als ein Ganzes zu sehen, dessen Teile untrennbar miteinander verbunden sind, sich gegenseitig bedingen und unmittelbar miteinander reagieren. Es ist völlig unmöglich, auf einen Teil dieses Ganzen einzuwirken, ohne gleichzeitig die anderen Teile mit in Bewegung, in Reaktion zu setzen.

 

Wie ist nun unter der Voraussetzung dieser Ganzheitlichkeit das Phänomen der Krankheit zu betrachten? Wenn alle Teile des physischen Organismus mit dem emotionalen Anteil und der Umwelt, in der diese Anteile sich bewegen, eine Einheit bilden, so können wir beobachten, dass diese Einheit immer bestrebt ist, ein Gleichgewicht seines Befindens herzustellen, das wir Gesundheit nennen. Dieses Bestreben kann man homöostatisches System nennen. Erstaunlicherweise scheint dieses System am leichtesten mit Störungen auf seiner materiellen Ebene fertig zu werden. Betrachten wir die wunderbaren natürlichen Abläufe der Wundheilung oder der Immunabwehr, so sind wir erstaunt darüber, wie es überhaupt möglich ist, dass ein Körper ernstlich erkrankt.

 

Aus eigener Erfahrung weiß jeder Einzelne von uns, dass die Erkrankungen, die ihren Ursprung in seelischen Erschütterungen oder in massiven störenden Umwelteinflüssen haben, die schwerwiegenderen Krankheiten sind, die der Körper nicht so einfach zu heilen versteht. Der Grund dafür liegt darin, dass mehrere Anteile des Ganzen betroffen sind. Heilung ist leichter und schneller zu erzielen, wenn die Störung nur die materielle Ebene betrifft. Greift die Störung aber auf die geistige und die psychische Ebene über oder nimmt sie dort ihren Ursprung, vollzieht sich das Gleichgewichtsbestreben des Systems in massiveren Veränderungen.

 

Krankheiten sind Versuche des homöostatischen Systems, ein Gegengewicht zum störenden Einfluss zu setzen. In einem einfachen Beispiel wäre hierfür die Entzündung zu nennen, die eine sinnvolle Reaktion des Patienten auf eindringende Erreger darstellt. Hier wird uns auch deutlich, dass der herkömmliche "Krankheits"-Begriff in unserer geläufigen Wahrnehmung negativ wertend eingeordnet wird. Krankheit ist aber nicht etwas Schlechtes, das eliminiert werden muss, sondern ein Versuch des ganzen Individuums, adäquat auf seine Situation zu reagieren und damit wieder ein Gleichgewicht der Energien herzustellen. Krankheit ist ein Weg und für diejenigen, die heilen wollen ein Wegweiser. Krankheit ist eine Äußerung des ganzen Wesens, eine Mitteilung an die Umwelt und eine sinnvolle Reaktion. Krankheit ist eine Form für einen Inhalt, der Inhalt ist eine Verletzung eines Teils des Ganzen. Wenn mein Patient auf eine Verletzung einer seiner Daseinsebenen reagiert, so korreliert diese Veränderung mit einer Veränderung auf den anderen Daseinsebenen, also auch auf der organischen Ebene, die seine physische Verbindung zur Umwelt darstellt.

 

Besteht diese Verletzung z.B. in einem Kummer, in einem Verlust von etwas Vertrautem oder Geliebten, so muss zur Heilung viel mehr der Kummer mit in Betracht gezogen werden, als das Organ, in dem sich dieser Kummer manifestiert. Auch Infektionen, von denen wir dank der medizinischen Forschung ja wissen, dass sie die Auslöser von bestimmten physischen Fehlfunktionen sind, können wir nicht isoliert als "Verursacher" von Krankheit betrachten, denn jeder Mensch und jedes Tier ist immerzu von tausenden dieser Erreger umgeben ohne zwangsweise zu erkranken. Nur wenn das Ganze eine Schwäche hat, ist es für den Erreger empfänglich. Viren und Bakterien sind nichts weiter als die Medien, über die das homöostatische System seine Verletzung äußert.

 

Um sich in heilender Absicht einem Patienten in seiner Ganzheit zu nähern, müssen wir jedoch nicht unbedingt das "Warum" der Erkrankung, die ursächliche Verletzung erforschen oder in Erfahrung bringen. Viele Verletzungen liegen so weit zurück, dass sie über Generationen als erbliche Erkrankungen oder Dispositionen weitergegeben werden. In der Behandlung von Tieren ist es sehr oft auch nicht möglich, die Auslöser von Erkrankungen aus jüngerer Zeit zu ermitteln. Aber das behindert uns nur wenig in der Heilung, wenn sie denn ganzheitlich erfolgt. Die wichtige Frage ist das "Wie" des erkrankten Wesens. Wie, auf welche höchst individuelle Weise ist mein Patient krank? Welche sind seine ganz persönlichen Bestrebungen, sein Gleichgewicht wieder herzustellen und was sagt er mir mit diesen Bestrebungen? Denn alle Krankheit, alles Leiden hat eine positive Absicht. Heilung bedeutet, diese Absicht überflüssig zu machen, indem der Zustand vor der Verletzung wieder vom Organismus erinnert wird.

 

Sind wir uns dieser Zusammenhänge bewusst - und wir können sie täglich an uns selbst beobachten - so wird auch klar, dass alle Heilmethoden fehlschlagen müssen, die nur die Krankheitsäußerungen auf der körperlichen Ebene beseitigen oder unterdrücken. Denn die Krankheitssymptome sind Heilversuche des homöostatischen Systems. Werden sie unterdrückt, so ist die zugrundeliegende Störung immer noch uneingeschränkt vorhanden und wird sich einen anderen Weg zur Äußerung suchen. Dies gilt auch für die meisten der so genannten "Naturheilmittel" oder "pflanzlichen" Mittel. Ebenso verhält es sich mit den chemischen Einwirkungen auf den Patienten. Es kommt nur noch ein unnatürlicher Störfaktor hinzu, der das Ungleichgewicht noch weiter verschiebt. Daran ändert auch die oberflächliche Wirksamkeit eines chemischen Medikaments nichts. Die Energie der ursächlichen Störung äußert sich dann im schwächsten Teil des Ganzen: das nennen wir "Nebenwirkungen". Wird die chemische Einwirkung fortgesetzt, verlagert sich die Krankheitsäußerung auf einen anderen Teil des Körpers. Der Arzt sagt dann zum Beispiel: Den Hautausschlag haben wir im Griff, aber leider hat der Patient nun Bronchitis bekommen! Dass der unterdrückte Ausschlag und die Bronchitis in unmittelbarem Zusammenhang stehen, kann eine Medizin der kleinsten Teile kaum noch erkennen.

 

Wenn ich einen Patienten vor mir habe, dann versuche ich, ihn in seiner Ganzheit zu erfassen. Ich trenne ihn nicht in Körper und Psyche, ich trenne nicht den Patienten und seine Lebenswelt, ich trenne nicht in gesunde und kranke Anteile. Mein Patient ist ganz, so wie er ist. Alles an ihm und um ihn darf sein wie es ist. Alle seine Äußerungen des Körpers, der Seele, der Art, wie er auf seine Umwelt reagiert, gehören zu ihm und haben eine positive Absicht. Ich kann keine Organe heilen, nur Individuen. Und ich lausche auf ihre Sprache.

 

 

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