Claudia Grothus, Praxis für klassische Tierhomöopathie und Hundeverhaltenstherapie
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Stubenreinheit bei Welpen

Die Erziehung zur Stubenreinheit stellt für viele Welpenbesitzer eine Herausforderung dar. Unserer Erfahrung und Überzeugung nach ist die erste Aufgabe des neuen Welpenbesitzers nicht, dem Welpen zu zeigen, wann er etwas falsch macht, sondern seinen kleinen Freund so gut kennen zu lernen, dass er weiß, wann der Welpe "muss". Der Welpe setzt nämlich genügend deutliche Zeichen. Nur glauben die meisten Menschen, er müsse unbedingt laut jammern oder an der Tür kratzen. Das sind aber Verhaltensweisen, die der Hund erst zeigt, wenn er schon stubenrein ist.

 

Die Ankunft im neuen Zuhause

 

Wenn Sie das erste Mal mit Ihrem Welpen nach Hause kommen, dann tragen Sie ihn nicht direkt ins Haus, sondern setzen Sie ihn dort ab, wo er in den nächsten Tagen auch seine Geschäftchen machen soll. Dieser Ort sollte ruhig und geschützt sein. Bleiben Sie dort ganz in Ruhe so lange stehen, bis der Welpe langsam mit dem aufgeregten Schnüffeln aufhört und Urin absetzt. Während der Hund uriniert müssen sie ihn sehr loben (motivierender hoher Tonfall, aber nicht laut). Benutzen Sie ein Reizwort (z.B. "Pipi"), das später, nach häufigem Üben, den Hund zum Urinieren anregen wird. Beugen Sie sich beim Loben nicht über den kleinen Hund. Hocken Sie sich lieber in etwas Entfernung hin. Der Welpe kennt Sie noch nicht gut und sieht es eher als bedrohlich an, wenn Sie sich über ihn beugen.

 

Loben

 

Sie werden sich natürlich wie ein Idiot anhören, wenn Sie z.B. als gestandener Mann plötzlich für die gesamte Nachbarschaft hörbar hinter einem Gebüsch stehen und mit Fistelstimme "Oh, fein Pipi, fein Pipi, feiiiiin!" quietschen. Leider nützt aber ein markiges "Gut, Hasso, gut!" bei einem Welpen gar nichts. Junge Hunde reagieren stark auf hohe Quietschtöne und registrieren diese als angenehmen und starken Reiz. 

 

In den ersten Tagen dürfen Sie Ihren Welpen, so lange er wach ist, nicht aus den Augen lassen. Das ist eine Tatsache, damit müssen Sie sich abfinden bevor Sie den Welpen zu sich holen. Die ersten drei Tage gehören ausschließlich dem Hund.

 

Der Laufstall

 

Ein sehr gutes Hilfsmittel, mit dem wir alle unsere Welpen sauber bekommen haben, ist ein einfacher Kinderlaufstall aus Holz (unzerkaubar!). Es kann auch eine andere geräumige Box sein, sie muss aber einen Durchblick auf die Umgebung gewähren.

 

Dieser Laufstall mit warmen Decken und alten Stofftieren zum Spielen ausgestattet, soll für den kleinen Kerl eine geschützte, kuschelige Höhle bedeuten, nicht einen Käfig, in dem er eingesperrt ist. Zum Eingewöhnen legt man am besten ein sehr verführerisch duftendes Kauzeug in den Laufstall. Der Welpe soll von selbst diesen Geruch aufnehmen und dann vor dem Laufstall stehen und unbedingt hinein wollen, um dieses Leckchen zu bekauen. Erst dann wird er in den Laufstall gehoben. Da kann er dann erst mal schön herumlutschen und dabei seine neue Welt beobachten. Sie können den Laufstall in der Eingewöhnungszeit auch für den Welpen offen lassen, indem sie einen Stab rausnehmen.

 

Der Laufstall darf nur in den natürlichen Ruhephasen des Welpen genutzt werden und sollte immer in dem Zimmer stehen, in dem Sie sich auch die meiste Zeit aufhalten. Setzen Sie nämlich den Hund hinein, wenn er gerade sehr aktiv ist, wird er sich eingesperrt fühlen, versuchen herauszuklettern und laut jammern. Der Welpe wird den Laufstall mit einem sehr unangenehmen Gefühl verknüpfen und der ganze Trick funktioniert nicht mehr.

 

Oberste Regel beim Einsatz des Laufstalls: Nie einen jammernden Welpen aus dem Laufstall heben, sondern Jammerpausen abwarten, oder dem Jammern zuvor kommen, sonst verknüpft er: "Wenn ich jammere, kommt jemand zu mir" - also: Das Jammern wird belohnt!

 

Einsamkeit

 

Wacht der Welpe nach tiefem Schlaf in seinem Laufstall auf und ist ganz allein im Zimmer, wird er sich bald schlecht fühlen, denn seine Instinkte sagen ihm, dass er ungeschützt vom Rudel zurückgelassen wurde. Er wird laut nach seinem Rudel rufen. So weit sollte es in den ersten Tagen nicht kommen.

 

Kommt es doch so weit und niemand erscheint auf das Rufen (z.B. wenn der Welpe nachts allein in einem Raum bleibt), kann es dazu kommen, dass die natürlichen Verhaltensanlagen des Welpen ihn dazu veranlassen, sich tot zu stellen, da er sonst Raubtiere auf sich aufmerksam machen könnte. Je nach Rasse und Herkunft des Hundes, sind diese natürlichen (instinktiven) Verhaltensanlagen stark oder weniger stark ausgeprägt. Kommt es aber dazu, ist dieses Totstellen eine Qual für den Welpen und sein Vertrauen in das neue Zuhause ist schon gebrochen. Leider wird das Totstellen des Welpen häufig für ein Einschlafen gehalten: "Aha, er jammert nicht mehr, da schläft er dann wohl endlich." Eine traurige Fehlinterpretation!

 

Also: Welpe plus Laufstall immer in der Nähe und nachts ins Schlafzimmer!

 

Was hat das jetzt mit der Stubenreinheit zu tun? Ganz einfach: In der Regel beschmutzt ein Hund seinen Schlafplatz nicht. Wenn Sie ihn nicht durch acht Stunden Einzelhaft im Laufstall dazu zwingen, wird er Kot und Urin nicht darin absetzen. Sie haben also die Möglichkeit, ab und zu mal das Zimmer zu verlassen, zur Toilette zu gehen oder nachts zu schlafen, ohne dass Ihr kleiner Hund Ihnen einen Haufen unter den Couchtisch setzt.

 

Bestimmte Zeiten

 

Es gibt Situationen und Momente, in denen ein Welpe praktisch immer "muss": Nach dem Schlafen und nach dem Fressen. Wenn Ihr Kleiner also in seinem Laufstall langsam aufwacht, dann streicheln Sie ihn darin ein bisschen (angenehme Verknüpfung zum Laufstall) und wenn er richtig wach ist, tragen Sie ihn direkt nach draußen. Dort bleiben Sie so lange, bis er etwas gemacht hat. Achtung: manche Welpen setzen Kot und Urin in Etappen ab! Wenn der Hund nach seinem Geschäft anfängt, ein bisschen zu Spielen, lassen Sie ihn. Er soll nicht mit dem Urinieren verknüpfen, dass er direkt danach wieder rein muss.

 

Es gibt aber auch den umgekehrten Fall des ängstlichen Welpen (oder des Regen- und Kältehassers) der direkt nach dem ersten Bächlein wieder zur Tür läuft, obwohl er noch einen Riesenhaufen zu machen hat. Ihn muss man liebevoll zum Weiterschnüffeln animieren.

 

Nachts

 

Für die Nacht gelten etwas abgewandelte Regeln. Der Welpe soll lernen, dass er nachts in seinem Laufstall nicht unter Blasendruck leiden muss, die Nacht aber auch keine Zeit zum Spielen oder Schmusen ist. Verleiten Sie Ihren Hund nicht dazu, Sie nachts zu wecken, damit Sie ein bisschen nett mit ihm sprechen! Wenn der Welpe nachts in seinem Laufstall jammert, dann tragen Sie ihn liebevoll aber wortlos hinaus, loben ihn wie immer für sein Geschäft und tragen ihn dann direkt wieder hinein. Hilfreich ist dabei, so wenig Lichtquellen wie möglich einzuschalten, damit der Bursche genau so schläfrig bleibt wie Sie.

 

Denken Sie nachts bitte nicht "Der kann nicht schon wieder pinkeln müssen, er war doch erst vor einer halben Stunde!". Er kann schon wieder pinkeln müssen! Schließlich stellt sich sein Organismus gerade erst auf eine aktive Blasenkontrolle ein. Und wenn er doch nur Langeweile hat, dann soll er lernen, dass er nachts nur nach draußen kommt wenn er jammert und sonst nichts. Die Nacht ist zum Schlafen, - nicht zum Spielen. Im Übrigen neigen Welpen nicht dazu, zu jammern, wenn ihnen nicht wirklich etwas fehlt. Ein Hund ist geistig überhaupt nicht in der Lage, den Menschen "zum Narren zu halten". Sie müssen das verinnerlichen! Denn wenn Ihr Hund Ihre Wut spürt, die Sie sonst haben, wenn er das dritte Mal nachts raus muss, machen Sie alles nur schlimmer, denn der Welpe verknüpft: wenn ich "muss" ist Herrchen sauer.

 

Wenn Ihr Welpe nachts viel jammert, überprüfen Sie bitte folgende Bedürfnisse:

·         Ist er nah genug beim Rudel?

·         Hat er es warm genug? (Zugluft!)

·         Hat er Durst?

·         Haben sie vergessen ihn abends zu füttern?

Manchmal hilft der Knochen zum "Lutschen" bis der Welpe wieder einschläft.

 

Erkunden der Umgebung

 

Wie geht es nun weiter, wenn der Welpe tagsüber in der Wohnung freien Auslauf hat? Denn den sollte er unbedingt haben. Er muss sich sein neues Heim erschnüffeln und sich auch mit Ihnen vertraut machen. Zu Anfang werden immer wieder "Unfälle" passieren. Der Welpe hat nicht den blassesten Schimmer davon, dass das Pinkeln auf den Wohnzimmerteppich nicht gut ist. Er wird es tun. Halten sie den Eimer mit Schwamm und Essigwasser bereit.

 

Das Entscheidende ist, dass Sie dabei sind, wenn es passiert. Ohne ihn zu heftig zu erschrecken, nehmen Sie den Welpen mit einem entschiedenen "Nein!" mitten im Geschäft hoch und tragen ihn unverzüglich hinaus. Wenn er dann draußen (nach geraumer Zeit, denn der Welpe hat sich erschreckt und erst mal "zu" gemacht) sein Bächlein zu Ende macht, loben sie ihn sehr liebevoll. Er verknüpft nach einigem Üben: Auf den Teppich machen ist blöd, - in den Garten machen ist schön. Es muss also für den Hund jedes Mal spürbar unangenehm sein, wenn er in die Wohnung uriniert. Hier müssen Sie die Waage halten. Sie dürfen ihn nicht schockieren, ihm keinesfalls wehtun oder z. B. schimpfen, wenn die Tat schon längst erledigt ist. Wenn er Panik vor dem Pinkeln in Ihrer Gegenwart bekommt, dann wird er "heimlich" sein Pipi und Größeres in irgendwelchen versteckten Ecken der Wohnung machen. Dies ist oft ein großes Problem bei Tierschutz-Hunden, die aus schlechter und grausamer Haltung geholt wurden, wo das Urinieren im Haus hart bestraft wurde.

 

Bei selbstsicheren, wenig schreckhaften Welpen, die sich schon etwas eingewöhnt haben, kann man gut ein lautes Geräusch erzeugen (z.B. Topfdeckel fallen lassen), wenn der Hund in der Wohnung pinkelt ("indirekte Strafe"). Bei einem verzagteren Welpen reicht ein deutliches "Nein" vollkommen aus. Fast alle Welpen sind aber verzagt, wenn sie plötzlich in eine vollkommen fremde Umgebung mit fremden Menschen, weg von Mutter und Geschwistern kommen; also holen sie den Topfdeckel erst raus, wenn nichts anderes hilft.

 

Das Allerwichtigste ist, dass das "Nein" und das Hinaustragen mitten in die Tat des Urinierens oder Kotens hinein passiert. Der Hund kann nur verknüpfen, wenn Reiz und Reaktion gleichzeitig geschehen. Deshalb ist es auch so wichtig, den Kleinen ständig im Auge zu behalten, denn er könnte sonst folgende Verknüpfung herstellen: in der Nähe des Menschen ist Pinkeln unangenehm, im Nebenzimmer aber sehr schön erleichternd. Genau so wichtig ist, dass Sie seine Draußen-Geschäfte registrieren, denn der Hund soll lernen, dass es gut ist, draußen zu pinkeln, ja, so gut, dass man dafür sogar gelobt wird! Noch einmal an dieser Stelle: Es reicht nicht, zitternd und angenervt in der Kälte stehend, dem Welpen ein beiläufiges "braver Hund" zuzuflüstern, sondern: Stimme hoch und: "ja, Du bist aber ein feiner Pipi-Macher".

 

Unsere Erfahrung ist, dass alle "Unfälle", die nach drei Tagen Stubenreinheits-Training noch auf unserem Fußboden landeten, definitiv hätten vorausgesehen werden können, wenn wir aufgepasst hätten! Mit anderen Worten:
Wir haben gepennt und übersehen, dass ein Welpe zur Haustür lief, sich zum Hochheben brav vor einen hin setzte oder seine welpentypischen "Ich-muss-jetzt-Pipi-Kreise" drehte. Wir haben bei der Ankunft von Besuch nicht daran gedacht, dass die Kleinen bis eben geschlafen haben und eigentlich sofort hinaus gemusst hätten. Wir haben uns nach ein paar Tagen auf unseren Lorbeeren ausgeruht und die Kleinen zu lange aus den Augen gelassen.
Fazit: Die Welpen haben gemerkt, dass ihre Signale auf einmal nicht mehr beachtet wurden.

Ein Hund im Alter von acht bis zwölf Wochen kann schnell lernen. Aber er ist körperlichen und emotionalen Gegebenheiten unterworfen. Auch wenn er schon gelernt hat, dass er für seine Geschäfte nach draußen muss, ist er manchmal so aufgeregt, dass "es" ihm einfach passiert. Auch Angst und Anspannung spielen eine große Rolle. Bis so ein kleines Kerlchen in seinem neuen Zuhause Vertrauen gefasst hat und Geborgenheit spürt, vergehen ein paar Tage. In diesen Tagen steht der Hund unter Stress. Besonders draußen, wo immer wieder fremde Geräusche, Gegenstände, Leute und Gerüche sind, ist der Welpe oft unfähig sich so zu entspannen, dass er in Ruhe seine für ihn so wichtige Verrichtung erledigen kann. Er braucht viel Zeit und er braucht einen geduldigen Menschen.

Und für alle, die immer noch an den Weihnachtsmann glauben: Nie, niemals erreicht man eine Stubenreinheit, wenn man die Nase des Hundes in seine Exkremente stößt. Das ist nichts anderes als Tierquälerei, denn der Hund versteht nur Strafe und weiß nicht, wofür.

 

Und noch etwas wird sehr häufig fehlinterpretiert: Viele Welpen machen etwas Pipi, wenn Besuch kommt und sie ihn wedelnd im Flur begrüßen. Es wird dann oft angenommen, der Hund würde vor Freude pinkeln. In der Regel pinkelt er aber aus Furcht! Der kleine Welpe ist ja nun in einer komplett ungewohnten und damit für ihn potentiell gefährlichen Umgebung. Jeder neue Ankömmling, der so viel größer und mächtiger ist als er, muss mit Unterwerfungsgesten (starkes Wedeln, Ducken, Urinieren) davon abgehalten werden, dem kleinen Hund etwas zu tun. Diese Situation ist für den Welpen so spannungsgeladen, dass er seine Blase nicht mehr kontrollieren kann. Besonders wenn er vor der Ankunft des Besuchs eine Weile nicht draußen war oder geschlafen hat. Am besten begrüßen Sie in den ersten Tagen den Besuch mit dem Welpen vor der Haustür, wo er ausweichen und sich problemlos entleeren kann. Bitten Sie Besucher, sich nicht direkt über den kleinen Hund zu beugen (schon gar nicht, wenn es sich um mehrere Personen gleichzeitig handelt). Und bitte nehmen sie diesen Hinweis nicht zum Anlass, den Welpen bei jeder ungewohnten Situation oder erkennbarem Meideverhalten auf den Arm zu nehmen. Er muss lernen, sich den von Ihnen angebotenen Situationen zu stellen und selbst damit klar zu kommen, ansonsten wird er ein Angsthase.

Viel Erfolg!

 

 

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